Veranstaltungen
Manfred Papst zur Literaturkritik heute

Das Gespräch führt Helmut Dworschak

Was kann, was soll Literaturkritik heute? Wer liest die ständig weniger werdenden Rezensionen, und wen sollen sie ansprechen? Nach welchen Kriterien bewertet eine Literaturkritikerin, ein Literaturkritiker ein Werk? Und überhaupt: Welches Werk soll rezensiert werden? Helmut Dworschak, beim Landboten für die Winterthurer Kultur zuständig, befragt zu diesen Themen einen der bekanntesten Literaturkritiker des Landes: Manfred Papst von der NZZ. Er hat schon Autoren geadelt oder auch ganz unverblümt seine weniger hohe Meinung kundgegeben. Wie sollte ein Autor mit einer wenig schmeichelhaften Buchbesprechung umgehen, und was, wenn der Kritiker mal falsch liegt mit seiner Einschätzung?

 

Manfred Papst studierte Sinologie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Er war freiberuflich als Korrektor, Lektor, Übersetzer und Herausgeber für verschiedene Verlage tätig und wirkte als Deutschlehrer. Bis 2001 leitete Manfred Papst das Programm des NZZ-Buchverlags, von 2002 bis 2017 das Ressort Kultur der NZZ am Sonntag, bei deren Kulturredaktion er weiterhin Mitglied ist. Papst erhielt 2005 den Zürcher Journalistenpreis und 2015 den Alfred-Kerr-Preis für seine herausragende Leistung im Bereich der Literaturkritik.

02.09.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Simone Lappert — «Der Sprung»

Eingeführt von Andrea Weber

Kann man einen Sprung von einem Dach geniessen? In Simone Lapperts Roman Der Sprung geht dies zumindest literarisch. Schon auf der ersten Seite hört, spürt, sieht, riecht man sich in einen Sprung hinein und bekommt eine erste Kostprobe vom sinnlichen Schreiben der Autorin. Die Situation im Roman ist folgende: Eine Frau steht auf einem Dach und man weiss nicht, ob sie springt. Unten sammeln sich die Gaffer, die das Ganze nichts angeht, oder Passanten laufen vorüber. Ein paar können nicht einfach weitergehen und den Vorfall ignorieren, weil sie beruflich, privat oder wohnungstechnisch davon betroffen sind. Von diesen sieben Menschen wird das Leben in einem Tag und einer Nacht auf den Kopf gestellt.

 

Simone Lappert, geboren 1985 in Aarau, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2014 erschien ihr Debütroman Wurfschatten, der auf der Shortlist des aspekte-Preises stand. Sie wurde mit dem Wartholz-Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet, ist Präsidentin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und Schweizer Kuratorin für das Lyrikprojekt «Babelsprech.International».

23.09.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Peter Wawerzinek — «Liebestölpel»

In Zusammenarbeit mit Zürich liest‘ 19
Eingeführt von Adriana Rey

Hinweis: Aufgrund der eingeschränkten Platzverhältnisse im alten Stadthaussaal können wir für diesen Anlass bereits keine Reservationen mehr entgegen nehmen. Bitte versuchen Sie es an der Abendkasse. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

 

Über den tollpatschigen Versuch, mit der widerspenstigen Sache namens Liebe klarzukommen – so nennt der Autor es selber, sein neuestes Werk. Wir nennen es einen umwerfenden Roman, der die Liebe in all ihren Facetten beschreibt: «Die Liebe, ach Junge, besser du lässt die Finger davon», hatte sein Opa ihn gewarnt, da war er gerade vierzehn. Menschen wie sie könnten da nur Schiffbruch erleiden. Tatsächlich bestätigt der heranwachsende Ich-Erzähler seinen Vorredner…

 

Peter Wawerzinekgeboren 1954 in Rostock. Sein Roman Rabenliebe (2010) war ein sensationeller Erfolg, 2014 erschien der ebenfalls hochgelobte Roman Schluckspecht. Peter Wawerzinek erhielt zahlreiche Stipendien, zuletzt das Autorenstipendium der deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2019, von wo er auch eigens für unsere Lesung anreist.

25.10.19, 19.30 Uhr

Saal Altes Stadthaus, Marktgasse 53, 8400 Winterthur; Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Ilma Rakusa — «Mein Alphabet»

Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

Hinweis: Aufgrund des grossen Interesses können wir für diese Lesung bereits keine Reservationen mehr entgegen nehmen. Bitte versuchen Sie es an der Abendkasse. Wir danken für Ihr Verständnis.

 

Es sind persönliche Erfahrungen, die Ilma Rakusa wie ein Kaleidoskop vereint und Antwort auf elementare Fragen gibt: «Was macht ein Leben aus? Wie wird das Wichtige greifbar?» Aufgefädelt an den Buchstaben des Alphabets changiert sie zwischen Prosa, Lyrik und Gespräch und erzählt über Freundschaft, Angst, Alter, Zärtlichkeit, Träume, Rituale, Weggefährten, Reisen, Kindheit oder Weltsicht. Ihre Neugierde beim erinnernden Beschreiten ihres vielfältigen Lebenspfades entfacht beim Lesen eine beschwingte Lust am Flanieren, am «Querfeldein» und wachen Beobachten der Gegenwart. Als «geborene Kosmopolitin und Europäerin verkörpert sie in einzigartiger Weise den Typ einer femme de lettres, wie er heute kaum noch anzutreffen ist» (Rede zum Kleist-Preis 2019).

 

Ilma Rakusa, 1946 in der Slowakei geboren, lebt seit 1951 in Zürich als Schriftstellerin und Übersetzerin (Tschechow, Zwetajewa, Duras, Kiš, Kértesz, Nádas). Ihr Werk umfasst u. a. die Poetikvorlesungen Farbband und Randfigur (1994), den Essay Langsamer! (2004), die autobiografischen Erinnerungspassagen Mehr Meer (2009), das Berlin-Journal Aufgerissene Blicke (2013), die Erzählungen Einsamkeit mit rollendem «r» (2014) und Gedichte Impressum: Langsames Licht (2016).

11.11.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Kenah Cusanit – «Babel»

Eingeführt von Lisa Briner

Ein Bein in Kamillentee, eine Flasche Rizinusöl neben sich liegt Robert Koldewey in der Hitze des Ausgrabungshauses am Euphrat und versucht, sich vor der befürchteten Blindarmentzündung zu bewahren. Im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft soll der Archäologe in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg im heutigen Irak die Wiege der Zivilisation ausgraben: die Metropole Babylon mit ihrem sagenhaften Turm von Babel. Was das bedeutet, macht die Altorientalistin und Ethnologin Kenah Cusanit in Babel ebenso klug wie witzig greifbar: Zwar rührt sich der Forscher, dem das Pergamonmuseum Schätze wie das Ischtar-Tor verdankt, im Roman kaum von der Stelle. Doch entsteht vor unseren Augen ein Panorama von Mühsal und Euphorie der Ausgrabungen, der Zähigkeit von Verhandlungen mit arabischen Stammesführern und wilhelminischer Bürokratie, von der europäischen Vermessung und Eroberung der Welt durch die Wissenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Kenah Cusanit, geboren 1979, publizierte Essays und Gedichte. Ihr Debütroman Babel (2019) wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Sie lebt in Berlin.

25.11.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt:  10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Sascha Garzetti – «Mund und Amselfloh»

Eingeführt von Claudio Notz

Wer sich von der Sprache packen lässt, schwingt sich mit Sascha Garzettis Gedichten zu einer Reise auf. Da sind Gedichte aus den Parks der Grossstädte Europas: Paris, Istanbul, Stockholm, Oslo. Man flaniert, lässt den Blick schweifen und hört Gesänge. Am Grab von Gertrude Stein dreht sich das lyrische Ich und umkreist den Schlaf «wie Wörter am Zeilenfaden». Der Dichter beobachtet präzise und kommentiert scharfsinnig, geht Spuren nach und legt selbst Fährten. Umtriebig wird zu einer Sprache, was ungeübten Beobachtern entschwände. Präsent ist auch immer das Sinnieren über die Wirklichkeit: «Was sie verliert, verwildert / in die Sprache hinein». An den Solothurner Literaturtagen war die Lesung rappelvoll. Es lohnt sich, diese junge Stimme der Schweizer Lyrik zu hören.

 

Sascha Garzettigeboren 1986 in Zürich, lebt und arbeitet in Baden. Studium der Germanistik, Geschichte und Nordistik. Gedichtbände: Vom Heranwachsen der Sterne (2010), Und die Häuser fallen nicht um (2015), Mund und Amselfloh (2018).

02.12.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt:  20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Regina Dieterle — «Theodor Fontane. Biographie»

Eingeführt von HansJoerg Diener

Zu seinem 200. Geburtstag hat Regina Dieterle Theodor Fontane eine umfassende Biografie gewidmet. Lebendig, anschaulich und auf der Grundlage jüngster Recherchen zeichnet sie ein zeitgemässes Bild des scheinbar vertrauten Autors, der zu den grossen europäischen Romanciers des 19. Jahrhunderts zählt. Neben den Romancier tritt nun der Reiseschriftsteller und Journalist. Wechselseitig betrachtet, werden die engen Verbindungen zwischen dem literarischen und dem journalistischen Werk deutlich. Das wirft nicht nur ein neues Licht auf Fontanes Arbeitsweise, sondern verändert auch unsere Lektüre der Romane. Regina Dieterles Biografie öffnet die Augen für ein staunenswertes Werk.

 

Regina Dieterle, geboren 1958, Germanistin, studierte und promovierte an der Universität Zürich. Sie publizierte zu Leben und Werk von Annemarie Schwarzenbach, Karl Stauffer-Bern, Theodor Fontane, Martha Fontane und – ganz frisch – zu Lydia Welti-Escher.

16.12.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt:  20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei