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Montag • 1. Februar 10, 20 Uhr • CoalMine • Turnerstrasse 1 • Barbetrieb bis 22:30 Uhr «Mir ist wichtig, dass die Sätze klingen.» Josef Winkler liest aus Ich reiss mir eine Wimper aus und stech dich damit tot
Im Herbst 2008 wurde Josef Winkler mit dem Büchner-Preis, der wichtigsten deutschen Literaturauszeichnung, geehrt, und zwar, weil er "auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist". Zu Winklers Werken, in denen häufig der Tod, der Katholizismus und die Homosexualität thematisiert werden, gehören Menschenkind (1979), Muttersprache (1982), Die Verschleppung (1983), Natura morta (2001) und Der Leibeigene. 2007 erschien Roppongi. Requiem für einen Vater. "Ich bin in einem katholischen Dorf aufgewachsen, und die Kindheit und Jugend sind für jeden Schriftsteller etwas ganz Einprägendes", sagte Winkler. Der Tod sei ein herausragendes Thema, das sich im Prozess des Schreibens ungeplant immer wieder selbst aus der Sprache entwickle. Im September ist bei Suhrkamp Winklers neues Buch, Ich reiss mir eine Wimper aus und stech dich damit tot, erschienen. "Das sind elf oder zwölf poetologische Reportagen, in denen viel von Reisen, von Unglücken und von Büchern die Rede ist", sagte Winkler. Ausgangspunkt ist ein Satz Henri Michaux': "Reisen, um heimatlos zu werden."
Josef Winkler, geboren 1953 und aufgewachsen auf einem Bauernhof in Kamering, Kärnten, lebt in Klagenfurt. 1979 gewann er mit seinem Roman Menschenkind den zweiten Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Zusammen mit den Folgeromanen Der Ackermann aus Kärnten und Muttersprache bildet dieser Roman die Trilogie Das wilde Kärnten. 2008 erhält er den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. |
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Dienstag • 9. März 10, 20 Uhr • CoalMine • Turnerstrasse 1 • Barbetrieb bis 22:30 Uhr «Ein Kind verschwindet. Es geht zur Tür hinaus, dann ist es weg.» Silvio Huonder liest aus seinem Roman Dicht am Wasser
Silvio Huonder hat seinen Roman in einem Dorf in der idyllischen Seenlandschaft bei Berlin angesiedelt, wo Einheimische und stadtmüde Zugezogene fast ohne Konflikte zusammen leben. Er erzählt von verborgenen menschlichen Schicksalen, Enttäuschungen und Sehnsüchten, von gewagten Versuchen, sich über unerfüllte Träume hinwegzutrösten, berichtet von einem spurlos verschwundenen Neunjährigen und einer alten, in der Gegend scheinbar noch spukenden schrecklichen Sage und entzaubert damit die vermeintliche Idylle. Huonder inszeniert seinen bewegenden und spannenden Roman in 90 kurzen Abschnitten als ausuferndes Mosaik, dem er mit sprachlicher Präzision und einer besonderen Ambiance eine beeindruckende Geschlossenheit verleihen konnte.
Silvio Huonder, geboren 1954 in Chur, studierte in Graz und in Berlin. Er schreibt Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele, unterrichtet am Schweizer Literaturinstitut in Biel und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Berlin. |
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Montag • 29. März 10, 20 Uhr • CoalMine • Turnerstrasse 1 • Barbetrieb bis 22:30 Uhr «Vater, Mutter, die Koffer und ich - das war die Welt.» Ilma Rakusa liest aus Mehr Meer
Kein Kinderzimmer, aber dafür drei Sprachen, um überzusetzen von hier nach dort: So beschreibt Ilma Rakusa in Mehr Meer ihre Kindheit. Aus der slowakischen Kleinstadt zieht die Familie schon bald nach Budapest, von dort weiter nach Ljubljana und Triest, schliesslich nach Zürich, so dass die Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter schon früh etwas von Abschieden versteht. Aber auch vom Ankommen an fremden Orten, von neuen Gerüchen, Lauten, von fremden Sprachen. Ilma Rakusas Erinnerungspassagen führen uns mitten hinein in das Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg, zu den schwermütigen Melodien Budapests, zum Atem des Meers, das in Triest an die Strandfelsen schlägt. Ihre autobiografischen Miniaturen erzählen von Verlusten, aber auch von einem wunderbaren Reichtum. Sie sind gesättigt von Klängen und Stimmungen, auch dort, wo sie ihr Aufwachsen in Zürich schildert, die Entdeckung der Musik, spätere Reisen oder die Studienjahre in Paris und Leningrad. Der Zauber, den sie verströmen, entsteht nicht aus der Schönheit des Vorgefundenen, sondern aus Ilma Rakusas Begabung zur Wahrnehmung, aus der Eleganz ihrer Sprache und einer Haltung der Offenheit: Da, sag ich zum Kind, da hast du die Windrose. Sie wird's schon weisen. Staune und vertraue. Ilma Rakusa, geboren 1946 in Rimaszombat (Slowakei), lebt seit über fünfzig Jahren als Schriftstellerin und Literaturkritikerin in Zürich. Sie hat Lyrik und kürzere Prosa veröffentlicht und ist eine der profundesten Kennerinnen osteuropäischer Literatur. Zudem übersetzt sie aus vier Sprachen: dem Russischen, Serbokroatischen, Französischen und Ungarischen, unter anderem Marina Zwetajewa, Péter Nádas, Danilo Kiš, Marguerite Duras und Imre Kertész. Für Mehr Meer, ihr bisher umfangreichstes Buch, erhielt sie kürzlich den Schweizer Buchpreis 2009. |
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Montag • 12. April 10, 20 Uhr • CoalMine • Turnerstrasse 1 • Barbetrieb bis 22:30 Uhr «Die welt entfernt sich» Reiner Kunze, lindennacht
In der Schönheit der Schöpfung ist der Mensch das störende Element. Fünf Silben Wehmut und sieben Silben Einsamkeit: Reiner Kunze bezieht seinen lyrischen Beobachtungsposten bezieht abseits der Geschäftigkeit des Tages. «Die linde blüht, und es ist nacht/Das dröhnen der bienen ist verstummt, statt ihrer/wimmelt es von sternen» heisst es im titelgebenden Gedicht des Bandes lindennacht. Es sind Alterswerke, in denen Kunze seine Kunst der Verknappung und der Reduktion auf das Unverzichtbare lapidar vorantreibt.
Reiner Kunze, geboren 1933 in Oelsnitz im Erzgebirge; Bergarbeitersohn, Studium der Philosophie und Journalistik in Leipzig. 1977 übersiedlung in die Bundesrepublik. Zuletzt erschienen im S. Fischer Verlag die gesammelten Gedichte in dem Band gedichte, Der Kuss der Koi. Prosa und Fotos, die Nachdichtungen Wo wir zu Hause das Salz haben sowie der Gedichtband lindennacht. Für sein umfassendes lyrisches, essayistisches und erzählendes Werk erhielt Reiner Kunze zahlreiche Literaturpreise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den österreichischen Georg-Trakl-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. Seine Lyrik und Prosa wurden in dreissig Sprachen übersetzt. |
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