Literatur in Winterthur

«Valentin las auch deshalb so gern, weil er fest daran glaubte, dass man durch nichts auf der Welt so viele Leben neben- und nacheinander leben konnte wie durch das Lesen.»


Rafik Schami, Reise zwischen Nacht und Morgen

Aktuell
Veranstaltungen wegen Coronavirus bis auf weiteres abgesagt

Liebe Mitglieder
Liebe Interessenten und Interessentinnen

 

Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus und aufgrund der geltenden Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit werden sämtliche Veranstaltungen der Literarischen Vereinigung Winterthur bis auf weiteres abgesagt. Wir werden die Situation laufend neu beurteilen und sukzessive entscheiden, ob zumindest die zum Ende der laufenden Saison terminierten Veranstaltungen stattfinden können. Der aktuelle Stand der Dinge ist wie folgt (Stand: 29. März 2020):

 

– Franz Hohler, 27. April: Anlass verschoben auf unbestimmtes Datum.
– Sascha Garzetti, 4. Mai: Zur Zeit noch unklar, ob die Lesung stattfinden kann.
– Sibylle Berg, 11. Mai: Anlass ersatzlos abgesagt.
– Susanne Röckel, 24. Mai: Anlass verschoben auf unbestimmtes Datum.
– Lesungen im Juni: Anlässe finden statt sofern sich die Lage bis dahin entspannt.

 

Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen gute Gesundheit.

Franz Hohler – «Fahrplanmässiger Aufenthalt»

Eingeführt von Ruth Loosli

Neuer Austragungsort: Alte Kaserne (s. links)

 

Das Schreiben Franz Hohlers ist immer auch ein Reisen. Nicht selten entsteht es unterwegs, an Bahnhöfen oder Flughäfen, im Gehen oder Warten. Fahrplanmäßiger Aufenthalt versammelt die neueste Kurzprosa dieses großen Meisters der kleinen Form. Die Erzählungen führen in die Ferne, nach Sarajevo, Kenia, Odessa oder auf den Maidan nach Kiew. Sie führen aber auch in einen Wartesaal am Bahnhof Schwäbisch Hall oder zur Birke vor dem eigenen Haus. Brillant beiläufig und pointiert öffnen sie die Fenster in die Wirklichkeit, die fremde wie die eigene, und gleiten unversehens ins Phantastische. Sie erzählen davon, was sich in unserer immer kleiner werdenden Welt entdecken lässt, wenn man nur genau hinsieht.

 

Franz Hohler, geboren 1943 in Biel, aufgewachsen in Olten. Er studierte einige Semester Germanistik und Romanistik, danach widmete er sich ganz der Kunst. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernsehproduktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten, Romane und Gedichte.

27.04.20, 19.30 Uhr verschoben

Alte Kaserne, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Sascha Garzetti – «Mund und Amselfloh»

Eingeführt von Claudio Notz

Wer sich von der Sprache packen lässt, schwingt sich mit Sascha Garzettis Gedichten zu einer Reise auf. Da sind Gedichte aus den Parks der Grossstädte Europas: Paris, Istanbul, Stockholm, Oslo. Man flaniert, lässt den Blick schweifen und hört Gesänge. Am Grab von Gertrude Stein dreht sich das lyrische Ich und umkreist den Schlaf «wie Wörter am Zeilenfaden». Der Dichter beobachtet präzise und kommentiert scharfsinnig, geht Spuren nach und legt selbst Fährten. Umtriebig wird zu einer Sprache, was ungeübten Beobachtern entschwände. Präsent ist auch immer das Sinnieren über die Wirklichkeit: «Was sie verliert, verwildert / in die Sprache hinein».

 

Sascha Garzetti, geboren 1986 in Zürich, lebt und arbeitet in Baden. Studium der Germanistik, Geschichte und Nordistik. Gedichtbände: Vom Heranwachsen der Sterne (2010), Und die Häuser fallen nicht um (2015), Mund und Amselfloh (2018).

04.05.20, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Grand Prix Literatur 2020: Sibylle Berg

Moderation: Evelyn Schertler Kaufmann

Neu:  Die Literarische Vereinigung Winterthur kooperiert erstmals mit dem Salzhaus und wechselt für diesen Termin von der Coalmine ins Salzhaus. Dort tauchen unzensierte Texte wortakrobatisch in eine schweisstreibende Rap-Performance – ein Literatur-Crossover!

 

Die Geschichte spielt in Rochdale und London, UK, wo sich 4 Jugendliche in einer Revolution versuchen. Flucht aus bedrückender sozialer Herkunft und Manipulation der Medien, hinein in eine vom Brexit durchgeschüttelte Grossstadt, die sich als Überwachungsdiktatur entpuppt. Hannah, Karen, Don und Peter wollen aussteigen, ausserhalb des Systems überleben. Sie starten ihre eigene Art des Widerstands mit Grime, kurz GRM – der besten musikalischen Erfindung seit dem britischen Punk. Grime bringt jeden Tag neue You-Tube-Stars hervor und liefert neue Role-Models. Der Text ist keine Dystopie und dennoch düster: Die Überwachungsdiktatur ist fast perfekt. Jeden Tag wird ein anderes Land im Westen autokratisch. Algorithmen ersetzen Menschen. Menschen ersetzten einander. Kein Platz für Träume, ausser in der Musik. Ist es die Welt, in der wir leben? Heute schon – oder morgen? Schlimm – oder anders?

 

Die Autorin Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 21 Theaterstücke, 14 Romane und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Sie arbeitet als Herausgeberin, verfasst Hörspiele und Essays, erhielt diverse Preise, zuletzt den Deutschen Buchpreis und den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (2019).

 

Der Musiker Pablo Vögtli arbeitet seit 2011 bei SRF, präsentiert auf SRF Virus die Sendung «Bounce» und ist Mitbegründer des jährlichen Live-Rap-Events «Cypher». Ab 11/19 moderiert er jede Woche den «Black Music Special» und stellt dort Neuheiten aus den Bereichen Rap, Soul und R&B vor.

11.05.20, 19.30 Uhr abgesagt

Salzhaus, Untere Vogelsangstrasse 6, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei