Literatur in Winterthur

«Valentin las auch deshalb so gern, weil er fest daran glaubte, dass man durch nichts auf der Welt so viele Leben neben- und nacheinander leben konnte wie durch das Lesen.»


Rafik Schami, Reise zwischen Nacht und Morgen

Aktuell
Frank Witzel — «Direkt danach und kurz davor» und «Vondenloh»

Eingeführt von Andrea Weber

Die unmittelbare Nachkriegszeit in einer deutschen Kleinstadt. Der literarische Chronist der alten Bundesrepublik lässt in Direkt danach und kurz davor mehrere Stimmen erfragen, was möglicherweise geschah. Egal, wo man das Buch aufschlägt, man taucht, ertastet und erfühlt Versatzstücke von Erinnerungen, die nebeneinander und zusammen einen Raum von Stimmungen ergeben. Im zehn Jahre früher entstandenen Roman Vondenloh, der nun von Matthes & Seitz neu aufgelegt worden ist, hören wir durch eine einzelne Erzählstimme eines 40jährigen Schriftstellers über das Leben und Werk der fiktiven Autorin Bettine Vondenloh, deren Romane die Seitenzahl 120 nie überschreiten und stets Bestseller werden. Ein amüsanter und absurder Roman über den deutschen Literaturbetrieb. Aber natürlich landet man auch hier, ehe man sich versieht, in den Archiven der deutschen Geschichte und steht am Ende vor der Frage, was nun eigentlich die Wahrheit ist.

 

Frank Witzel, geboren 1955, lebt und arbeitet in Offenbach. Für seinen Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 bekam er den Robert Gernhardt Preis und den Deutschen Buchpreis 2015. Für seinen Roman Direkt danach und kurz davor war er nominiert für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017.

18.03.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Nell Zink — «Virginia»

Eingeführt von Adriana Rey

In der temporeichen dunklen Komödie Virginia (im Original: Mislaid) nimmt Nell Zink scharfzüngig die fundamentalen Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft aufs Korn: Rasse, Klasse, sexuelle Orientierung. Protagonistin Peggy fühlt sich zu Frauen hingezogen; Lee, Peggys Professor an einem College in den Sechzigerjahren, ist der schwule Spross einer einflussreichen konservativen Familie. Trotzdem haben die beiden eine Affäre und auf eine ungeplante Schwangerschaft folgen eine Heirat und zwei Kinder. Nach zehn Jahren Ehe brennt Peggy mit Tochter Mickie durch, für die sie sich Papiere eines toten schwarzen Mädchens erschwindelt. Als «Schwarze» leben die beiden fortan in einem kleinen Ort in Virginia. Jahre später erhält Mickie ein Stipendium für die Universität, nicht wissend, dass ihr Bruder ebenfalls dort eingeschrieben ist.

 

Nell Zink, 1964 in Kalifornien geboren, wuchs in Virginia auf. Sie studierte in den USA Philosophie. 2000 zog sie nach Deutschland und promovierte in Medienwissenschaften. Nachdem niemand geringerer als Jonathan Franzen sie dazu überredet hatte, literarisch zu publizieren, schrieb Nell Zink in wenigen Wochen den Roman The Wallcreeper und wurde damit 2014 über Nacht bekannt. Ihr zweiter Roman Mislaid stand 2015 auf der Longlist des National Book Award. Nell Zink lebt in Bad Belzig, südlich von Berlin.

15.04.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Lesetour Schweizer Literaturpreis 2019

Moderation: Evelyn Schertler Kaufmann

Die vom Bundesamt für Kultur 2019 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichneten Literatinnen und Literaten machen auf ihrer Lesetour Halt in Winterthur. Das Bundesamt für Kultur verleiht im Bereich Literatur jährlich einen Schweizer Grand Prix Literatur und sieben Schweizer Literaturpreise. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ein Preisgeld von je 25’000 Franken und werden, unter anderem mit dieser Lesetour, gezielt unterstützt, um ihre Werke in der Schweiz und im Ausland bekannt zu machen. Ein Literaturabend der Extraklasse ist Ihnen also gewiss.

06.05.19, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei