Literatur in Winterthur

«Valentin las auch deshalb so gern, weil er fest daran glaubte, dass man durch nichts auf der Welt so viele Leben neben- und nacheinander leben konnte wie durch das Lesen.»


Rafik Schami, Reise zwischen Nacht und Morgen

Aktuell
Das Herbstprogramm 2020 ist da / COVID-19 Schutzmassnahmen

Liebe Mitglieder
Liebe Interessenten und Interessentinnen

 

Wir freuen uns, in dieser aussergewöhnlichen Zeit das Saisonprogramm für die kommende Herbstsaison 2020 präsentieren zu dürfen. Aufgrund der nach wie vor heiklen Lage mit dem Coronavirus und den gelten Vorgaben des Bundes und des Kantons müssen die Veranstaltungen unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes durchgeführt werden. Das genaue Schutzkonzept für die Lesungen der Literarischen Vereinigung Winterthur wird demnächst hier veröffentlicht. Die zwei wichtigsten Schutzmassnahmen werden a) eine Maskentragepflicht und b) die Aufnahme der Personendaten für ein allfälliges Contact Tracing sein.

 

Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen gute Gesundheit.

Susanne Röckel – «Kentauren im Stadtpark»

Eingeführt von Adriana Rey

Tabea wird von ihrem Ehemann betrogen und will ihn an sich binden mittels eines Hemdes, das Zauberkräfte besitzen soll. Getragen hat es zuletzt jener Mann – oder war es ein Kentaur? –, der Tabea als junge Frau brutal vergewaltigt hat. Albert trauert um seine Frau und empfindet gleichzeitig Schuldgefühle, wenn er an ihre letzten Lebensmonate denkt. Im italienischen Tiefland sucht er Trost im Gesang der Sirenen. Uta schliesslich hat ihr Leben der Hilfe für andere verschrieben. Als sie sich zu einem rätselhaften jungen Mann hingezogen fühlt, ist es mit ihrer selbstlosen Hingabe vorbei. Sie flüchtet in den Wald und verschmilzt am Ende mit ihm. Geschickt verwebt Susanne Röckel in drei Erzählungen realistische Geschichten mit antiken Mythen und wirft damit beunruhigende Fragen auf: Wie trennscharf sind die Grenzen zwischen Realität und Phantasie? Welche Abgründe lauern in und um uns – in der Natur, in unseren Beziehungen, in unseren Sehnsüchten?

 

Susanne Röckel wurde 1953 geboren und arbeitet als Schriftstellerin und literarische Übersetzerin in München. Ihr Roman Der Vogelgott stand 2018 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

13.09.20, 11.00 Uhr

Münzkabinett Winterthur, Villa Bühler, Lindstrasse 8, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Uwe Kolbe liest neue Gedichte aus «Imago»

Eingeführt von HansJoerg Diener

Gibt es ein leichtes Sprechen, das nicht leichtfertig ist? Ein Sprechen, das Eifer und Zorn hinter sich lässt, ohne deshalb bequem zu werden? Ein Sprechen, das zu dem Überall von Information und Meinung ruhigere Seitenstücke bildet, Worte findet, mit denen Lebensfragen zu formulieren sind? Ein Wanderer nimmt in Uwe Kolbes neuen Gedichten die Natur und den Himmel in sein Lied herein. Wie schon in seinen erfolgreichen Psalmen sind vor allem die gefiederten Begleiter allgegenwärtig: die Krähen und ihr Krakeel, die Amsel, ihr klagender Ton, der Bussard in seiner Höhe. Literarische Konvention verbindet sich dabei mit dem Wissen um das fragile Gleichgewicht des Planeten.

 

Uwe Kolbe, 1957 in Ostberlin geboren, übersiedelte 1988 nach Hamburg und lebt heute in Dresden. Für seine Arbeit wurde er u.a. mit dem Stipendium der Villa Massimo, dem Preis der Literaturhäuser, dem Heinrich-Mann-Preis und dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman Die Lüge (2014), der Essay Brecht. Rollenmodell eines Dichters (2016) sowie die Gedichtbände Lietzenlieder (2012), Gegenreden (2015) und Psalmen (2017).

28.09.20, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Rolf Lappert – «Leben ist ein unregelmäßiges Verb»

Eingeführt von Claudio Notz
In Zusammenarbeit mit Zürich liest ’20

Eine Aussteiger-Kommune auf dem Land, 1980: Die Behörden entdecken vier Kinder, die versteckt vor der Welt aufgewachsen sind. Ihre Schicksale werden auf Schlagzeilen reduziert, doch Frida, Ringo, Leander und Linus sind vor allem Menschen mit eigenen Geschichten. Aus der Isolation in die Wirklichkeit geworfen, blicken sie staunend um sich. Und leben die unterschiedlichsten Leben an zahllosen Orten: In Pflegefamilien und Internaten, auf Inseln und Bergen, als Hassende und Liebende. Wie finden sich Verlorene in der Welt zurecht? In seinem ganz eigenen zärtlich-lakonischen Ton erzählt Rolf Lappert, wie man sich von seiner Kindheit entfernt, ohne sie jemals hinter sich zu lassen.

 

Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und lebt in der Schweiz. Er absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, war später Mitbegründer eines Jazz-Clubs und arbeitete zwischen 1996 und 2004 als Drehbuchautor. Zuletzt war Lappert mit dem Roman Über den Winter in der Literarischen.

23.10.20, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei