Literatur in Winterthur

«Valentin las auch deshalb so gern, weil er fest daran glaubte, dass man durch nichts auf der Welt so viele Leben neben- und nacheinander leben konnte wie durch das Lesen.»


Rafik Schami, Reise zwischen Nacht und Morgen

Aktuell
Barbara Geiser — «Wenn du gefragt hättest, Lotta»

Eingeführt von Ruth Loosli

Lotta ist Cellistin und erfährt an der Beerdigung ihrer Grossmutter, dass diese ihr etwas verschwiegen haben muss; etwas, das mit ihrer Herkunft zu tun hat. Lotta ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen und umso schmerzlicher ist dieser Befund. Die junge Frau begibt sich auf Spurensuche, sie sammelt Erinnerungen, liest und sucht im Internet — und wir folgen gebannt dem Klang der Sprache, der uns mit starken Sprachbildern in entschwundene Welten führt. Und wieder zurück ins Heute, wo uns immer noch und wieder drängender dieselben Fragen nach dem Woher und Wohin beschäftigen.

 

Barbara Geiser, 1970 in Winterthur geboren, studierte Geschichte und Musikwissenschaft an der Universität Zürich. Neben ihrer Tätigkeit in der Kommunikation und im Marketing eines Verlags liess sie sich in klassischem Gesang ausbilden. Heute arbeitet sie als freie Texterin, Autorin und Lektorin. Barbara Geiser lebt in Zürich.

03.09.18, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Adolf Muschg — «Heimkehr nach Fukushima»

Eingeführt von Lisa Briner

In seinem kürzlich erschienenen Roman Heimkehr nach Fukushima schickt Adolf Muschgg seinen Protagonisten, den Architekten Paul Neuhaus, nach Japan: In der Nähe des Unglücksmeilers von Fukushima soll eine Künstlerkolonie entstehen, um den Menschen der verstrahlten Gegend sechs Jahre nach der Katastrophe Mut zu machen, in ihre verlassenen Dörfer zurückzukehren. Kurzentschlossen nimmt Paul Neuhaus die Einladung des befreundeten japanischen Ehepaars an, zumal wenig zuvor seine langjährige Beziehung zerbrochen ist. Nur mit den Büchern von Adalbert Stifter ausgerüstet, beginnt er eine Reise in das gefährliche Gebiet, in eine ihm fremde Kultur und ein Stück weit zu sich selbst. Zum Glück ist da Mitsuko, die Frau des befreundeten Paars, die ihn zu den Verheerungen von Natur und technologischem Fortschritt begleitet, die erklärt, übersetzt und mit der mitten im unwirtlichen Terrain eine zerbrechliche neue Liebe entsteht.

 

Adolf Muschg, geboren 1934, war Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich und hat für sein umfangreiches Werk zahlreiche Literaturpreise erhalten, u. a. den Büchner-Preis. Zuletzt erschienen die Romane Die japanische Tasche (2015) und Der weisse Freitag (2017), 2014 die Essays und Reden Im Erlebensfall. «Muschg beschwört die Paradoxien der Erscheinungen und der menschlichen Emsigkeit in Bildern und Sätzen von unwirklicher Schönheit.» (Martin Ebel, Tages-Anzeiger)

01.10.18, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Anna Stern — «Beim Auftauchen der Himmel»

Eingeführt von Adriana Rey

Der Erzählband Beim Auftauchen der Himmel ist nach zwei Romanen das dritte Werk der jungen Autorin Anna Stern. Vom subtilen Teenagerdrama über einen kurzen, fiesen Krimi bis zur fein ausgearbeiteten Beziehungsgeschichte — die Autorin experimentiert mit verschiedenen Stilen und Genres und erzählt von Figuren aus ganz unterschiedlichen Milieus. Da ist der Alleinstehende, in dessen Leben überall und immer Eidechsen hausen, oder der junge Wissenschaftler, der seiner Grossmutter zuliebe eine Geliebte erfindet, die er gar nicht hat. Die Titelgeschichte handelt von einem Mann, der ein ertrinkendes Kind rettet, aber nicht weiss, ob es überlebt hat oder nicht. «Wir müssen leben, egal wie viele Himmel auf uns fallen» — dieses Zitat von D. H. Lawrence dient als Inspiration für den Titel des Erzählbands. Anna Stern erzählt spannend und atmosphärisch leicht von Lebensbrüchen und Lügen, Träumen, Ausreden und Schicksalen und schafft dabei «ein seltenes Sprachfest» (F.A.Z.).

 

Anna Stern, geboren 1990 in Rorschach, wohnhaft in Zürich, ist Umweltnaturwissenschaftlerin und arbeitet zurzeit an ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich. Sterns Debüt Schneestill erschien 2014 im Salis Verlag. 2018 gewann Stern am Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt den 3sat-Preis.

26.10.18, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei